Rückflug am 28.Juni

28. Juni 2011

Zurück ging es mit dem Airbus A 380 von Narita nach Frankfurt. Und wir hatten Gelegenheit, das Cockpit dieses Riesenvogels von innen zu bestaunen. Unser Flieger im Quartett, Stefan, durfte sogar bei der Landung vorn dabei sein. Wir freuen uns auf Leipzig!

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2 Antworten to “Rückflug am 28.Juni”

  1. LSQ Says:

    Ein deutscher Angstkörper FAZ 3.Juli 2011

    Im September soll die Bayerische Staatsoper aus München in Tokio und Yokohama spielen. Doch rund 100 der Mitwirkenden wollen nicht mit – aus Angst vor atomarer Strahlung. Von Pascal Morché

    Ein Mann, der seit dreißig Jahren als Mitglied eines Staatsorchesters in seine Oboe bläst, hat beruflich wenig Sorgen. Für ihn kann der größte anzunehmende Arbeitsunfall nur durch den Verzehr einer Engadiner Nusstorte in der Pause einer Oper oder eines Konzerts ausgelöst werden: Wenn ein Krümel später beim Spielen ins dünne Blasrohr der Oboe gerät, das wäre der GAU. Den aber kann man durch ein selbstauferlegtes Engadinernussverbot einfach umgehen und sich so als Staatsangestellter und Musiker in Personalunion angstfrei der sicheren Pension entgegenspielen.

    So sorglos könnte auch das Leben des Oboisten Bernhard Emmerling vom Bayerischen Staatsorchester weitergehen, doch jetzt hat der Mann Angst. Denn in Japan, in Fukushima, ist ein Atomkraftwerk in die Luft geflogen – und Emmerling soll in Tokio in die Oboe blasen.

    Für den September ist die Bayerische Staatsoper aus München nach Tokio und Yokohama eingeladen. Die vierwöchige Tour des deutschen Spitzenensembles, bei der Wagners „Lohengrin“ (mit Jonas Kaufmann), Bellinis „Roberto Devereux“ (mit Edita Gruberova), Strauss‘ „Ariadne auf Naxos“ und zwei Konzertprogramme mit Kent Nagano gezeigt werden, ist seit drei Jahren geplant und kostet den japanischen Veranstalter, die Japan Performing Arts Foundation (NBS), rund fünf Millionen Euro. Es geht also um Geld und ums Image; um höchst profitable Tourneegeschäfte, die westliche Opernhäuser und Spitzenorchester in den vergangenen fünfzig Jahren mit den Japanern nur zu gern getätigt haben. „Ich war häufig in Japan, davon dreimal mit der Bayerischen Staatsoper“, sagt Emmerling.

    Doch diesmal herrscht die Angst vor atomarer Verseuchung. Von den insgesamt 400 Mitwirkenden der Münchner Oper (die gerne in sicheren deutschen Kirchen und Sälen Benefizkonzerte für Japan geben), also Solisten, Chor, Orchester und Technik, weigern sich gut 100 zu reisen. Die Technik schiebt Panik statt Kulissen, Orchestermitglieder fürchten um ihre Spermien im Jahr 2014, und Choristinnen fragen auf einer Personalversammlung den Opernintendanten Nikolaus Bachler, ob er ihnen denn garantieren könne, dass ihr Kind nicht Leukämie bekomme, wenn sie in fünf Jahren schwanger sind. Das kann Bachler – „Ich habe die Sicherheit meiner Mitarbeiter und die Reputation des Hauses zu bedenken“ – natürlich nicht.

    Schon die Kollegen vom Orchèstre de Lyon und von der Dresdner Philharmonie haben alle für Juni und Juli geplanten Auftritte in Japan gestrichen. Das Salzburger Mozarteumorchester wollte nicht mal mehr bis Korea fliegen; beim Deutschen Symphonie-Orchester in Berlin hadert man mit einer Japan-Tour im Herbst, und die russische Sopranistin Anna Netrebko erklärte schon im Mai vor der Japan-Tournee der New Yorker Metropolitan Opera: „Es tut mir außerordentlich leid, das japanische Volk enttäuschen zu müssen. . . Aber meine Familie und viele Freunde haben jahrelang unter den Folgen von Tschernobyl gelitten.“

    Bis heute wurden über siebzig Prozent der von Gastkünstlern aus aller Welt in Japan geplanten Konzerte abgesagt. Die Angst vor einem Verseuchungsszenario ist groß – und in Deutschland wohl am größten. Argumente der Vernunft helfen da wenig, obwohl es ihrer viele gibt: Für Tokio liegt keine Reisewarnung des Auswärtigen Amts vor. Und „was die aktuell gemessenen Strahlenwerte betrifft, ist die Lage in Tokio nicht gefährlicher als München und Nürnberg“, versicherte Dr. Peter Jacob vom Helmholtz-Zentrum für Gesundheit und Umwelt den zweifelnden Münchner Musikern. Intendant Bachler lud Wissenschaftler von Greenpeace und von den „Ärzten gegen Atomkraft“ ein. Sie erklärten den Staatskünstlern, dass bei der gegenwärtigen Strahlenbelastung in Tokio rein statistisch von einer Million Menschen 13 Personen ein erhöhtes Krebsrisiko hätten. Dem zum Angstkörper mutierten Klangkörper gab das nicht Sicherheit genug: „Was ist, wenn diese 13 Personen unter uns sind?“ Auch Oboist Emmerling ließ sich nicht überzeugen. Zwar glaube er, dass zurzeit in Tokio keine radioaktive Belastung herrsche, „aber“, warnt der Musiker, „es könnte natürlich zu jeder Zeit dort alles Mögliche passieren“.

    Angst lebt vom Konjunktiv. Davon, dass überall zu jeder Zeit alles mögliche passieren „könnte“ – sogar im beschaulichen Oberhaching, wo Emmerling es schon mal zum Gemeinderat gebracht hatte. Intendant Bachler sagt: „Es ist schon interessant, dass es unter freien Mitarbeitern, also unter den Solisten, keine Absagen gibt und dass freie Künstlergruppierungen wie das ,Mahler Chamber Orchestra‘ zur Zeit durch Japan touren, ohne diese Diskussion zu führen.“ Die Vorgänge an seinem Opernhaus nennt er „ein typisches Beispiel von ,German angst‘. Ich war vor drei Wochen in Japan. In Tokio herrscht völlige Normalität.“ Gemäß der lateinischen Lebensweisheit „Sich verstecken heißt nicht, sich in Sicherheit zu bringen“ beharrt der Intendant auf der umstrittenen Japanreise: „Gerade Künstler haben über vierzig, fünfzig Jahre so viel von den Japanern gehabt, so viel Begeisterung, so viele Möglichkeiten, so viel Geld, dass ich es extrem unsolidarisch finde, wenn man sich da jetzt zurückzieht.“

    Das ist idealistisch formuliert, doch beruhigt es nicht Musikerseelen, die alle Unwägbarkeiten einkalkulieren. Emmerling etwa will sich nicht „von oben“ verdonnern lassen, nach Japan zu fliegen, und verweist auf Artikel 2 Absatz 2 des Grundgesetzes, welcher auch einem Oboisten „das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit“ zuspricht. Am liebsten würde er gerichtlich eine einstweilige Verfügung gegen das Japan-Gastspiel der Oper erwirken. Sehr zwangsläufig und höchst mühsam einigten sich nun in München Intendanz und künstlerisches Personal: Den Reiseunwilligen wie Emmerling gab Bachler („Ich bin Theaterleiter und kein Zwangsunternehmer“) die Möglichkeit, im September vier Wochen unbezahlten Urlaub zu nehmen; und für die Reisewilligen, die den geplagten Japanern tröstende Weisen abendländischer Hochkultur geigen sollen, gibt es einen ganzen Katalog von Sicherheitsmaßnahmen inklusive Evakuierungsplan: Die Münchner Musiker nehmen ihr eigenes Mineralwasser mit, eine Röntgenologie-Ärztin begleitet die Reise, alle 24 Stunden wird vor Ort die Strahlung gemessen und die Lebensmittel in strahlenhygienischer Hinsicht geprüft; auf dass kein Sushi unzertifiziert am Geigerzähler eines Geigers vorbeikomme.

    Als Ersatz für die im vermeintlich sicheren Deutschland zurückgebliebenen Musiker sollen Aushilfen engagiert werden, deren Kosten sich mit den Lohneinsparungen bei den Kollegen im unbezahlten Urlaub deckten. Die Frage, ob man dann bei rund sechzig Aushilfen allein im Orchester noch vom eigentlichen Bayerischen Staatsorchester sprechen könne, wird dabei so wenig akzeptiert, wie die hausintern genannte Zahl 60 für diese gewichtige Abteilung bestätigt wird.

    Dass es auch anders geht, ohne skurrile Diskussionen und ohne irrationale Ängste, bewies gerade ein Kammermusikensemble, das zu den führenden in Deutschland gehört und nicht aus verbeamteten Musikern besteht: das Leipziger Streichquartett. Die vier Künstler bereisten sogar die Präfektur Fukushima und konzertierten mit Werken von Haydn, Mendelssohn und Beethoven in der überfüllten Mototerakoji-Kirche von Sendai, dem einzig noch bespielbaren Saal der vom Tsunami verwüsteten Stadt. Ihre Eindrücke im Katastrophengebiet beschrieben die Musiker auf ihrem Blog (leipzigquartet.wordpress.com/feed). „Die Resonanz von Kollegen machte uns sprachlos“, sagt Matthias Moosdorf, Cellist des Ensembles, dem man unverhohlen vorwarf, Streikbrecher zu sein.

    Moosdorf, der sich seit zwanzig Jahren Japan verbunden fühlt und alljährlich eine Master-Class an Tokios größter Kunstakademie leitet, wundert sich „über die außerhalb Japans grassierende Hysterie“ und über Solidaritätsbekundungen mit Netz und doppeltem Boden. „Wenn demnächst die Berliner Philharmoniker nach Tokio kommen, wird für den Evakuierungsfall für die Musiker ein permanent abflugbereiter Airbus bereitstehen. Da frage ich mich schon, ob man mit dem Geld, das ein parkender Airbus kostet, nicht den Wiederaufbau von zwei Kindergärten finanzieren sollte.“

    Oboist Bernhard Emmerling glaubt an den Erfolg solcher Evakuierungspläne deutscher Musiker ohnehin nicht. „Wenn dort was passieren würde, hätte man bei der Massenpanik gar keine Chance, zum Flieger zu kommen“, sagt er. Und bleibt lieber zuhause, im sicheren Deutschland.

    • Martin Böttcher Says:

      Wie kann ein Mensch so abfällig über Ängste anderer schreiben? Vermutlich sitzen Sie auch im „gesicherten“ Deutschland und lästern nun gekonnt und hinterhältig über die Künstler und sonstiges Personal der Oper.
      Tschernobyl war für uns alle schon schlimm genug, dass hier im Hintergrund die Angst vor Verseuchung noch da ist, ist doch wohl verständlich.
      Außerdem haben sie die Aufführungen in Japan NICHT abgesagt, daher war diese Polemik unnötig!


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