Tag 6: Tokio

27. Juni 2011

…und er sah, dass es gut war. Deswegen ruhte der Herr schon am sechsten Tage. Jedenfalls am Morgen. Danach waren wir eingeladen, das Mori Art Center zu besuchen. Eine Ausstellung im wohl exklusivsten Wolkenkratzer der Stadt. Die Ausstellung „French Window“ hatte viel zu bieten: neben Videokunst, Installationen und Skulpturen auch gedankenverlorene Spiele in Bildform und Raumgestaltugen.

Nach ca. zwei Stunden hatten wir Gelegenheit, im Hotel die Resonanz unseres Tuns der vergangenen Tage in verschiedenen Medien zu betrachten: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Leipziger Volkszeitung, Berliner Tagesspiegel und natürlich japanische, deutsche TV-Kanäle wie NHK, ZDF, 3sat und lokale Stationen haben sich inzwischen unserer Sache angenommen. (http://www.3sat.de/page/?source=%2Fkulturzeit%2Fthemen%2F155222%2Findex.html)

Am Abend dann ein Abschlusskonzert im Goethe-Institut Tokio. Es war als Veranstaltungsort für die Residenz des Botschafters, Dr. Stanzel, eingesprungen. Dieser reist gerade mit dem japanischen Kronprinzen durch Europa. Noch einmal bewegte Zuhörer, Dankbarkeit und die dringende Bitte, schnell wieder zu kommen.

Eigentlich ist Hilfe doch so einfach. Um es mit Moses Mendelssohn zu sagen: „Nach Wahrheit forschen, Schönheit lieben, Gutes Wollen, das Beste tun“ In diesem Sinne begeben wir uns – auch ein wenig zufrieden – auf die morgige Heimreise. Nicht für lange, denn bald führt unsere Reise wieder nach Japan. Wir wollen Anteil nehmen am Aufbau und mit unseren Freunden Musik erleben. Danke, Japan!

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2 Antworten to “Tag 6: Tokio”

  1. leipzigquartet Says:

    Sehr geehrter Herr Arzberger,

    mit dem größten Befremden, ja mit einiger Erschütterung habe ich den Artikel in der FAZ gelesen, in dem von den Kontroversen um Ihre Japan-Reise berichtet wird. Ich bin zwar Deutscher, lebe aber nun schon seit vielen Jahren im Ausland (übrigens seit meiner Ablehnung eines Rufes nach Leipzig). Und ich muß gestehen, daß mir das Land, auch angesichts der Reaktionen, die dort geschildert werden, immer fremder wird. Es ist von egozentrischer, bestürzender und auch hysterischer Peinlichkeit, wenn ein so mutiges, verdienstvolles Engagement wie das Ihre auf eine solche Weise in Frage gestellt wird. Es stimmt dies alles mehr als nachdenklich.

    Seien Sie jedenfalls versichert, auch wenn es nur eine Stimme ist, daß ich den größten Respekt vor Ihrer Japan-Reise habe. Ein hoch zivilisiertes Land mit einer herausragenden kulturellen Tradition verdient die Teilnahme an einem so furchtbaren Leiden, und zwar auf dem Niveau, das einem solchen Land gemäß ist. Wenn die Musik ihre elementare, ihre beseelende Kraft zu entfalten vermag, dann doch wohl in den Ohren der Getroffenen und der Leidenden. Der ‚Heilige Dankgesang‘ bekommt in solchen Zusammenhängen eine neue, eine wahrhaft fundamentale Bedeutung, die zu stiften vielleicht sogar eine Verpflichtung ist.

    Kurzum, ich möchte Ihnen, auch wenn es mir gar nicht zusteht, sehr herzlich danken und Sie ermuntern, sich von den geschilderten Reaktionen nicht beirren zu lassen. Ich bitte Sie, dies auch an Ihre Kollegen zu übermitteln.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Ihr
    Laurenz Lütteken

    —————————————
    Prof. Dr. Laurenz Lütteken
    Universität Zürich

  2. leipzigquartet Says:

    Betrifft. FAZ vom 27.6.2011

    „Musik in Trümmern“

    Mit Unverständnis und Enttäuschung lese ich, dass über 70% der in Japan geplanten Gastkonzerte abgesagt wurden. Und wenn ein Ensemble, wie das Leipziger Streichquartett sich diesem Trend widersetzt, wird es auch noch gemobbt!

    Den Leipziger Musikern kommt das große Verdienst zu, endlich wieder an die vielen zehntausende Tsunami-Opfer zu erinnern. Unzählige Kinder sind zu Waisen geworden, tausende von Eltern mussten ihre Kinder begraben oder suchen noch heute nach ihnen, tausende leben seit Monaten in Notunterkünften, haben all ihr Hab und Gut und oft noch den Arbeitsplatz verloren.

    Und unsere Medien? Sie berichten seit drei Monaten fast täglich über das Reaktorunglück, erzeugen – mit wenigen Ausnahmen – eine Hysterie, die einen Unbefangenen glauben lassen muss, wir in Deutschland seien unmittelbar betroffen.

    Die Opfer des Tsunami kommen – wenn überhaupt – in einem Nebensatz vor.

    Ich möchte dem Leipziger Streichquartett gegenüber Dank und Respekt dafür ausdrücken, dass sie sich nicht von dem wohlfeilen Medien-Hype haben anstecken lassen, sondern getan haben, was ihr Mitgefühl ihnen zu tun gebot.

    Renate Sommer


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